Die Theateraufführungen

(Klassenspiele)

in den unterschiedlichen Stufen:

Theaterspiel und Waldorfpädagogik bilden von jeher eine Einheit. Das Theaterspiel als Teil der darstellenden Künste ist einzigartig in seinen Möglichkeiten. Entscheidende Qualitäten der Persönlichkeitsbildung und der Bildung von Gemeinschaft werden hier entdeckt, veranlagt und vertieft. Das Spektrum des Lernens durch die Schauspielkunst reicht von der Arbeit an der Sprache, der Mimik und Gestik bis hin zum Erfahren und Gestalten dynamischer Prozesse im Rahmen der Einstudierung eines Stückes.

Bereits in der Unterstufe beginnen sich die Kinder an Darstellungen und Spielen zu den Themen der Jahresfeste oder des Erzählstoffes zu üben. Mit Hingabe stehen diese kleinen Schauspieler auf der „Bühne“. Das erste Spiel in der Klassenlehrerzeit ist ein erstes großes Theaterereignis für die Schüler. 

Das Theaterspiel in der achten Klasse ist einer der Höhepunkte der Klassenlehrerzeit. Die Jugendlichen setzen sich mit allen Bereichen der Schauspielkunst, der Dramaturgie, des Bühnenbildes und der Kostümbildnerei auseinander. Es ist die Zeit, in der die Jugendlichen bereitwillig die jeweilige zeitgenössische Atmosphäre aufsaugen und sich dem "Zeitgeist", einem Modetrend oder einer besonders exklusiven Szene anschließen. Dieses Öffnen nach außen, und Entscheiden für eine Form, in der "Gegenwartskultur", ist ein Schritt in Richtung Individualität, obwohl er andererseits eindeutig gruppenhaftes und individuelles an sich hat. Da das Seelische noch unselbstständig ausgestaltet ist, sucht es beim Erwachen Anschluss an eine bestimmte Gruppe, deren "Image" dem Mädchen oder dem Jungen sympathisch ist. In dieser Situation findet die Theaterarbeit statt, an der Schwelle zwischen ausklingender Kindheit und beginnendem Jugendalter. Es ist ganz überraschend für den Lehrer, der die Schüler ja seit Jahren kennt, plötzlich in dem Kostüm auf der Bühne einen reiferen Menschen zu erleben, als er ihn täglich im Unterricht vor sich hat. Die Theaterarbeit bewirkt also etwas Erstaunliches, sie führt den Jugendlichen zur kurzzeitigen Verkörperung von einer sozialen Stellung und einer persönlichen Haltung, die er erst Jahre später wirklich durchgängig wird ausfüllen können. Es ist so etwas, wie ein Blick  in die Zukunft, die Ahnung dessen, was denn sein wird, aber noch nicht ist.

In der 12.Klasse liegt die Regie zumeist in Händen eines erfahrenen Theatermachers, der mit den jungen Erwachsenen anspruchsvolle Theaterstücke einstudiert. So kann Rollenbesetzung gezielt und Schauspielkunst individuell gestaltet werden. Die Schüler übernehmen alle Arbeiten rund um das Theater. Sie stellen Plakate her, kümmern sich um Einladungen und verfassen Pressetexte.
Die Bühne wird für die Schüler während der intensiven Probenzeit zu einem Raum der Kreativität. In dem sie in die Welt des Theaters eintauchen, identifizieren sie sich mit ihrer Rolle so, als ob sie Teil ihrer eigenen Welt wäre.

Siehe auch Artikel in „Erziehungskunst“ dazu.