Gedanken zum Schularzt
Die Vorbereitung und Gründung der Waldorfschule war geprägt von dem Bestreben, pädagogische Methodik und Didaktik aus einem "Verständnis des gesunden Menschenwesens" (Rudolf Steiner) zu entwickeln.
Wesentlicher Gesichtspunkt hierbei ist die Erarbeitung der Gesetzmäßigkeiten und Voraussetzungen einer gesunden körperlichen wie seelischen Entwicklung und Entfaltung des kindlichen Organismus. Hierzu ist die enge Zusammenarbeit des Lehrerkollegiums mit einem Arzt unerlässlich und Rudolf Steiner bemerkte: "Der Schularzt, der meiner Idee nach da sein müsste, der müsste sämtliche Schulkinder kennen und im Auge behalten, der müsste im Grunde genommen nicht einen speziellen Unterricht haben, sondern sich mit den Kindern sämtlicher Klassen beschäftigen, wie es sich ergibt. Den Gesundheitszustand sämtlicher Kinder müsste er wissen. (…) Ich habe öfter betont, die Leute sagen, es gibt so viele Krankheiten und nur eine Gesundheit. Es gibt aber ebenso viele Gesundheiten, wie es Krankheiten gibt." (R. Steiner in der Konferenz vom 16..1921)
Im Beginn der Waldorfschulen wurde diese Idee in einer für damalige Verhältnisse außergewöhnlichen Weise verwirklicht: Der Schularzt (damals Dr. med. Eugen Kolisko)wurde von der Schule angestellt und war Teil des Schulkollegiums. Heute arbeiten an den meisten Waldorfschulen Schulärzte in unterschiedlichem Umfang mit: von wenigen Beratungsstunden pro Monat bis hin zu einem vollen Deputat bei doppelzügigen Schulen stellen Ärztinnen und Ärzte "ihr medizinisches Fachwissen der Pädagogik zur Verfügung", wie es Dr. Michaela Glöckler formulierte.